Zwischen Fjord und Labor

Einblicke in aktuelle Forschung und Kooperationen zwischen Deutschland und Dänemark

01.06.2026
Teilen auf
Einblicke in die Forschungsreise von food4future: Austausch mit Partnern, Probenahme und Laborarbeit rund um Algen und nachhaltige Ernährungssysteme.

Vom 16. bis 20. März führte eine Forschungsreise Yannick Schwert, Doktorand mit Forschungsschwerpunkt Makroalgen, von Kiel bis nach Dänemark und bot spannende Einblicke in die Kultivierung von Makroalgen sowie in aktuelle Fragestellungen und Kooperationspotenziale im internationalen Kontext

 

Der erste Halt der Reise war Kiel, wo Algenproben an das GEOMAR übergeben wurden. Im Mittelpunkt stand dabei auch ein Austausch mit Dr. Florian Weinberger, der sich mit DNA-Barcoding für Makroalgen beschäftigt. Diese Methode ist insbesondere für die Gattung Ulva relevant, da sich deren Arten äußerlich oft stark ähneln. Mithilfe genetischer Analysen lässt sich jedoch präzise bestimmen, welche Arten tatsächlich vorliegen – und ob sich im Laufe der Kultivierung bestimmte Stämme durchsetzen.

Darüber hinaus wurden laufende Forschungsprojekte in Kiel diskutiert, etwa zur Ansiedlung von Fucus-Arten im Kontext der Kohlenstoffspeicherung. Diese Braunalgen sind nicht nur als potenzielle Kohlenstoffsenken interessant, sondern auch aufgrund ihrer Inhaltsstoffe, insbesondere verschiedener Polysaccharide. Diese könnten perspektivisch auch für einzelne Partner im food4future-Netzwerk im Hinblick auf die Entwicklung neuer biobasierter Materialien von Interesse sein.


Dänemark: Kultivierung von Palmaria im Fokus

Anschließend ging es weiter nach Dänemark zum DTU Aqua Shellfish Center in Nykøbing, welches am Limfjord liegt. Die Anlage profitiert davon, dass Meerwasser unmittelbar genutzt werden kann – ein entscheidender Vorteil für die Kultivierung. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, das gesamte Wasser in den Systemen regelmäßig auszutauschen und die im Meerwasser vorhandenen Nährstoffe zu nutzen.

Im Austausch mit Dr. Peter Søndergaard Schmedes, der für die Kultivierung von Palmaria verantwortlich ist, erhielt Yannick Schwert umfassende Einblicke in die dortigen Systeme. Diese kombinieren landbasierte und meeresbasierte Ansätze, wobei eine starke Abhängigkeit vom Meerwasser besteht.

Diskutiert wurden unter anderem Fragen zur Nährstoffversorgung und zu möglichen Synergien: So könnte beispielsweise Abwasser eines benachbarten Miesmuschelproduzenten als Nährstoffquelle genutzt werden.

 

Kultivierungsstrategien und wissenschaftlicher Austausch

Ein zentraler Fokus lag auf der Kultivierung von Palmaria, insbesondere auf der Frage, wie sich Sporenbildung und Wachstum gezielt beeinflussen lassen. Während in Dänemark sowohl Freiland- als auch landbasierte Systeme erprobt werden, besteht Interesse daran, Umweltparameter systematisch zu variieren und deren Einfluss besser zu verstehen. In diesem Zusammenhang wurden auch die Herausforderungen einer vollständig landbasierten Kultivierung diskutiert.

Hier zeigt sich deutliches Potenzial für Zusammenarbeit: Während DTU Aqua über große Erfahrung in der Kultivierung verfügt, liegt eine Stärke des IGZ in der analytischen Charakterisierung von Biomasse. Gemeinsam könnten so Fragestellungen bearbeitet werden wie:

  • Wie beeinflussen Licht- und Nährstoffbedingungen das Wachstum?
  • Verändert sich dabei auch das Nährstoff- und Inhaltsstoffprofil?
  • Welche Variabilität zeigt Palmaria unter unterschiedlichen Bedingungen?
  • Inwiefern kann Palmaria auch in Sole wachsen und welche Auswirkungen hat dies auf Wachstum und Zusammensetzung?

Zur weiteren Untersuchung brachte Yannick Schwert Biomasseproben mit zurück. Auffällig waren dabei deutliche Farbunterschiede – von hellbraun bis dunkelrot. Diese könnten Hinweise auf Unterschiede in Pigmenten und Inhaltsstoffen geben und sollen nun genauer analysiert werden.

 

Praktische Einblicke: Vermehrung und Systemdesign

Neben theoretischen Fragen wurden auch praktische Methoden vor Ort erprobt. Dazu zählt beispielsweise die asexuelle Vermehrung von Palmaria: Durch das Abschneiden und Vereinzeln von Spitzen kann neue Biomasse für Starterkulturen erzeugt werden.

Auch der Austausch zu technischen Aspekten wie Belichtungs- und Belüftungssystemen spielte eine wichtige Rolle, da diese maßgeblich das Wachstum und die Qualität der Algen beeinflussen.

 

Perspektiven für zukünftige Zusammenarbeit

Ein zentrales Ziel der Reise war es, konkrete Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Im Fokus stehen dabei:

  • Gemeinsame Versuche zu Licht- und Nährstoffregimen
  • Austausch von Algenstämmen
  • Verknüpfung von Kultivierung und analytischer Forschung

Die Kombination unterschiedlicher Expertisen eröffnet die Chance, zentrale Fragestellungen der Algenforschung effizienter zu bearbeiten.

 

Rückkehr mit neuen Proben und Impulsen

Am Ende der Reise kehrte Yannick Schwert mit Palmaria-Proben im Gepäck zurück – darunter Starterkulturen sowie mehrere kleinere Proben für experimentelle Untersuchungen. Diese werden nun am IGZ weiter kultiviert und analysiert.

Die Reise hat nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse geliefert, sondern auch den internationalen Austausch gestärkt. Sie zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit über Disziplinen und Standorte hinweg ist, um das Potenzial von Algen als nachhaltige Ressource weiter zu erschließen.