Spin-Offs
Die Forschung bei food4future soll über das Labor und den Projektzeitraum hinaus weitergeführt werden. Unser Ziel ist es, neue Impulse für nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme zu setzen, die außerhalb der Projektgrenzen Wirkung entfalten und in neue geografische, soziale und ökonomische Kontexte getragen werden. Ein zentraler Ansatz dabei: Spin-Offs zu entwickeln, also Projekte, Initiativen oder Partnerschaften, die direkt aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen und technologischen Entwicklungen von food4future hervorgehen.
Spin-Offs entstehen dort, wo Akteur*innen aus Wissenschaft, Gesellschaft und Praxis gemeinsam weiterdenken: Sie greifen offene Fragen auf, vertiefen spezifische Aspekte der Forschung oder erproben neue Anwendungen im Realbetrieb. So tragen sie dazu bei, dass Wissen nicht nur generiert, sondern verstetigt, weiterentwickelt und für konkrete Herausforderungen nutzbar wird.
SolKuBim
Solebasierte Kultivierungssysteme für binnenländische Makro- und Mikroalgen
Kultivierung von Algen in Bad Saarow
Das Projekt SolKubiM – Solebasierte Kultivierungssysteme für binnenländische Makro- und Mikroalgen baut unmittelbar auf Erkenntnissen aus food4future auf und überführt sie in ein ungewöhnliches, aber vielversprechendes Anwendungsszenario: die Algenproduktion in der Therme Bad Saarow. Grundlage dafür ist das dort geförderte Thermalwasser, ein mineralreiches Relikt eines urzeitlichen Ozeans, das heute für den Badebetrieb genutzt und streng kontrolliert wird. Überschüssiges, bereits aufbereitetes Wasser eignet sich ideal für die Kultivierung der von food4future untersuchten heimischen Algenarten wie Ulva compressa und macht damit gleichzeitig einen bestehenden Ressourcenkreislauf nachhaltiger.
Die Algen wachsen in konstant temperierten Kellerräumen der Therme, wo sie von störenden Umwelteinflüssen geschützt sind und unter optimalen Bedingungen gedeihen können. So wird deutlich, dass Algenproduktion nicht an Küsten gebunden sein muss, sondern auch im Binnenland mit hoher Qualität möglich ist. SolKuBiM zeigt, wie Forschung aus food4future neue Anwendungsfelder öffnet und zukünftig regionale Wertschöpfungspotenziale erschlossen werden können – mitten in Brandenburg und dort, wo man eine Algenfarm am wenigsten erwartet: unter den Badebecken einer Therme.
Kontakt
Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ)
Theodor-Echtermeyer-Weg 1
14979 Großbeeren
Webseite
www.igzev.de
Interaktion zu assoziierten Partnern
food4future Konsortium, HTW Berlin, Bad Saarow Kur GmbH, IGV GmbH, Universität Bayreuth, Viva Maris GmbH
Dr. Anna Fricke ist Wissenschaftlerin im Programmbereich „Pflanzenqualität und Ernährungssicherheit“ am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ). Ihr Interesse gilt der Untersuchung der Biodiversität, Ökophysiologie und Nutzung von benthischen Algen. Im food4future-Projekt "Makroalgen" ist sie für die Kultivierung und Untersuchung der weiteren potentiellen Anwendungen von Makroalgen im Lebensmittelsmittelbereich zuständig.
NaFuVer
Nachhaltige Funktionsintegration in Verbundwerkstoffe
NaFuVer mit Vertreter:innen der beteiligten Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
NaFuVer steht für einen neuen Ansatz in der nachhaltigen Material- und Sensortechnologie. Ziel des Verbundprojekts ist die Entwicklung und Integration biobasierter, piezoelektrischer Sensoren in Verbundwerkstoffe – als umweltfreundliche Alternative zu konventionellen, fluorhaltigen Kunststoffen wie PVDF, die zunehmend wegen ihrer Umwelt- und Gesundheitswirkungen (PFAS oder forever chemicals) in der Kritik stehen.
Im Mittelpunkt steht dabei der Naturstoff Chitin – nach Zellulose das zweithäufigste biogene Polymer. Chitin und sein Derivat Chitosan, gewonnen unter anderem aus essbaren Insekten, sind biologisch abbaubar, piezoaktiv und eröffnen neue Perspektiven für eine ressourcenschonende Sensorik. Im Projekt werden ihre piezoelektrischen Eigenschaften gezielt verbessert, etwa durch höhere Kristallinität, molekulare Orientierung, Nanofüllstoffe und optimierte Herstellungsprozesse.
Ein zentraler Innovationsschritt ist die Funktionsintegration der Sensoren direkt in Verbundwerkstoffe. Dadurch entstehen leichtere und materialeffizientere Bauteile, die ihren eigenen Zustand überwachen können – etwa in Maschinen, Fahrzeugen, Bauwerken oder landwirtschaftlichen Anlagen. Gleichzeitig wird die Recyclingfähigkeit verbessert, da auf problematische Fluorpolymere verzichtet wird und verstärkt Holzverbundwerkstoffe sowie recyclingfreundliche Harzsysteme eingesetzt werden.
NaFuVer wird von einem interdisziplinären Konsortium getragen: der Technische Hochschule Wildau, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie und dem Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau.
Mit seinem Fokus auf biobasierte Materialien, Kreislauffähigkeit und intelligente Werkstoffe leistet NaFuVer einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Materialforschung und adressiert zentrale Herausforderungen zukünftiger Produktions- und Ernährungssysteme. Als Spin-Off zeigt das Projekt exemplarisch, wie naturbasierte Innovationen aus der Agrar- und Bioökonomie den Weg in industrielle Anwendungen finden können.
Kontakt
Technische Hochschule Wildau
Hochschulring 1
15745 Wildau
Webseite
www.th-wildau.de/forschung-transfer/
Interaktion zu assoziierten Partnern
food4future Konsortium, IGZ e.V., TH Wildau, ATB, HNEE
Prof. Dr. Christian Dreyer
Projektleiter (TH Wildau)
christian.dreyer@th-wildau.de
T +49(0) 3375 2152-280
Prof. Dr. Christian Dreyer ist stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs Polymermaterialien und Composite PYCO des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP und Professor für Faserverbund-Materialtechnologien an der Technischen Hochschule Wildau. Neben der Entwicklung neuer faserverstärkter Leichtbaumaterialien liegt der Fokus seiner Arbeit auf der Erforschung alternativer Härtungsmethoden für Reaktionsharze mittels UV-Strahlung und Mikrowellen. Bei food4future ist er Projektkoordinator des Teilprojektes „ Weiterentwicklung und Aufskalierung…“ und leitet ein Projektteam bestehend aus Ingenieuren, Chemikern und Biosystemtechnikern.